über Bande spielen.
Januar 28, 2007
Man lernt im virtuellen Spiel mit ein paar Kugeln – einem Computerbilliard – die Strategie zu ändern; nach langen Versuchen auf dem einen Weg, der Sache einen neuen Dreh zu geben.
Jetzt käme es darauf an, auch draussen auf der Straße, im Umgang mit den Menschen, in der Bewegung durch diese kleine Polis, durch eine winzige Veränderung der Kraft, durch einen minimalen Schlenker, durch eine sanfte Korrektur des Winkels, die Situationen zu verändern, ganz andere Konstellationen zu erzeugen; wenn man versteht, was ich meine … wenn ich verstehe, was ich meine.
Vielleicht beschäftige ich mich auch deshalb seit ein paar Tagen mit Esperanto…
die Nachricht des Tages.
Januar 24, 2007
Vorhin sah ich, auf dem Vorplatz vom Walmart-Supercenter und am Rande der Verkehrsinsel in der Stresemannstraße und im Rinnstein Ecke Wohlwillstraße-Otzenstraße, jeweils eine vereiste Pfütze. Ohne die Entdeckung hätte mir in diesem Winter etwas gefehlt – einmal im Jahr muss wirklich Flüssiges erstarren, sodass der heiße Tee verdienter schmeckt, wärmt. Im frostigen Übermut könnte man in die Strukur aus glatter, dunkler Fläche und weißen Rissen manches hineinorakeln, was ich, womöglich, lautlos tue, in den kürzlich erst abrasierten Bart – und mich hiermit aus der heutigen Berichterstattung ausblende. Bis bald!
Beckett war hier.
Januar 20, 2007
Vor siebzig Jahren. Lese gerade in einem meiner schönen Weihnachtsgeschenke. Dort werden Teile aus Samuel Becketts Reisetagebuch von 1936 dokumentiert, als sich der gerade Dreissigjährige am Beginn seiner Deutschlandreise für neun Wochen in Hamburg aufhielt. Am 4. 11. 1936 war er wieder mal am Hafen unterwegs und besichtigte den 1911 eröffneten Elbtunnel, den man heute den „Alten“ nennt:
„Impressive & nightmarish, especially the Fahrschächten, pits of steel with 6 lifts each & German expressionist film screw stairs. Whole things somehow kinematic.“
aus Roswitha Quadflieg, Beckett was here; Hoffmann und Campe, 2006
eine kleine Geschichte, die ich heute hörte.
Januar 18, 2007
Ein älterer Mann erzählte mir von seiner Zeit in Kolumbien.
1962 war er von einem Industriellen aus Bogotá engagiert worden, der unbedingt einen deutschen Werkzeugmacher haben wollte. Nach einer dreiwöchigen Schiffsreise, die am Hamburger Hafen ihren Ausgang nahm und danach über Caracas mit dem Jeep, einer viermotorigen Flugmaschine und dem Bus ihn an sein Ziel führte, sah er sich das erste Mal seinem neuen Auftraggeber gegenüber.
Dieser war ein deutscher Jude, der Anfang der dreissiger Jahre rechtzeitig auswandern konnte, in der Shoa aber seine ganze Familie verloren hatte. Seinem jungen Mitarbeiter aus Deutschland, der selbst aus einer Familie von Nazi-Anhängern stammte, schenkte er sein Vertrauen und genoss den Umgang mit einem Menschen aus der alten Heimat, nach der er sich unverändert sehnte.
Gespräch zweier Nachbarn.
Januar 12, 2007
Ort: Treppenhaus
N1: Hallo
N2: Hmm.
vier Monate später
N1: Oh, ich halte mal die Tür auf…
N2: Geht schon…
acht Monate später
N2: Scheiß Wetter, was…
N1: Ja, da kommt ordentlich was runter…
N2: Jupp, Schönen Abend noch.
N1: Gleichfalls.
sieben Monate später
N2: Sie wohnen jetzt hier, oder?
N1: Nunja, dritter Stock, eigentlich schon seit…
N2: Na dann, herzlich Willkommen.
dreizehn Monate später
N1: Tach.
N2: Tach, und schon alles eingerichtet?
N1: Ähm, ja, danke, alles klar.
fünf Monate später
N2: Moin, ach wegen dem Gespräch von neulich, ich bin Handwerker, wenn du was brauchst, klingel mal.
N1: Danke, sehr nett. Wo wohnen …Sie, Du?.
N2: Zweiter Stock, gleich neben der Treppe, links.
vierzehn Monate später
N2: Tach mal wieder, wir laufen uns ja ständig über den Weg.
N1: Tja, so ein Zufall, wie gehts?
N2: Muss ja, muss ja. Selbst?
N1: Kann nicht klagen, danke.
neun Monate später
N1: Hallo, … ich ziehe übrigens nächste Woche aus.
N2: Was, schon wieder, pff, schade, wirklich schade, mit dir konnt man sich immer so nett unterhalten.
N1: Danke, nichts für ungut.
N2: Dann mal alles Gute.
N1. Man sieht sich bestimmt noch mal…
N2: Klar, wenn du mal wieder vorbeikommst, melde dich … Ähm, wie heißt du eigentlich?
während es draußen nieselt und windet – Zwischenruf 2.
Januar 11, 2007
Der Müll, die Fahrt, der wankende Glanz,
Zellen, Flure, Transmitter und Displays,
das Blinken der Kontrolllampen, der Messgeräte Fiepen,
die Mechanisierung der Liebe, der Leidenschaft,
Zucker in Plastikgetränken, flüssig, der Verallgemeinerung Flut,
die Überwachungsdienste, die Überwachungskameras, die wachenden Institute,
der Müll – der anwächst, der Müll – der brennt, die winzigen Rußteilchen, die den Globus still umwandern, eine Erziehung zu Robotern, zu Funktionen, die Austreibung des Spontanen, dafür die Entwicklung, die Produktion einer kindischen Kultur, einer Vergröhlung alles Gewachsenen, einer Styroporisierung aller Gründe, die Vergötzung des Individuums, des Atoms, der Vereinzelung und dadurch, die sanft scheinende Beherrschung: Die Despotie ist smart geworden, lächelnd, sympathisch, leiser und wirkt human.
Zwischenruf.
Januar 9, 2007
Statt uns Aufgaben zu suchen, draußen in der Welt, die den ganzen Menschen fordern, sitzen wir an den Bildschirmen und fordern uns gegenseitig heraus; in einer Welt des Scheins lösen wir Aufgaben in der Form des Als Ob, sagte der Hirnforscher.
Pauli näher als Pauli.
Januar 8, 2007
Den Kalauer kann ich mir nicht ersparen, pardon. Aber es geht um etwas anderes.
Durch die sogenannten Medien, erfahre ich mehr als ich eigentlich wissen will, über die Pauli-Affäre eines Herrn Stoiber, mit dem ich ja genaugenommen nichts zu tun habe, der in einem ganz anderen Dorf auf einem Schild herumgetragen wird und hofft, dass ihm die Basis nicht auf den Kopf fällt.
Oder ich lese von den Bart-Eskapaden eines Herrn Beck, obwohl wir nicht die gleiche Provinz teilen. Oder, unversehens und unverhofft, muss ich mir Bilder anschauen von exekutierten Diktatoren oder werde bedrängt von den Schwangerschaften ehemaliger Schwimmstars.
Was ich sagen will: Die Weltpolitik, der Globalklatsch schwappt in mein Wohnzimmer – die Gemeinde, in der ich lebe, mein direktes Umfeld, findet in den üblichen Medien nicht statt.
Ein Klick – und ich bin bei George Bush; ein viel längerer Weg aber zu den neuesten Nachrichten von meinem Nachbarn.
Ich bin ein stetiger Zaungast in einer virtuellen Weltgemeinde, doch häufig ein Unwissender in den drängenden Fragen und Krisen, die sich in nächster Nähe abspielen. Dort, wo ich relativ gut informiert bin, habe ich kaum Einfluss. Wo ich Einfluss hätte, in meiner Kommune, bin ich kaum informiert.
Als Erstes brauchte man wohl mal eine vernünftige St.Pauli-Zeitschrift, ein schwarzes Brett und einen Gemeindesaal.
fiktiver Gesprächsfetzen, wie er aufgeschnappt sein könnte.
Januar 3, 2007
(Er spricht, Sie hört zu)
„… Ich hab nichts mehr … Firma weg … Haus weg … Auto weg … Zack … wenn du nichts mehr hast, beginnt die Freiheit … Schwamm drüber … ich bin Idealist … du bist auf dem Weg … wir gehen den Weg zu Ende … ich zeig dir den Weg … ich bin Krebs, du bist Jungfrau … Zack … gleich zusammen ans Meer fürs Wochenende … das ist Weltklasse … das ist St.Pauli … da fällt die Liebe hin, wie es geht … Zack … das gibts in Düsseldorf nicht … St.Pauli ist die Hauptstadt der Liebe … das schafft ihr in eurem Vorort nicht … Zack … in Düsseldorf geht sowas nicht … komm … Schwamm drüber … wir gehen den Weg zu Ende … Zack … ich bin Idealist …“
die Kiezworte des Jahres 2006.
Januar 2, 2007
Es sei mir erlaubt, ganz subjektiv, meine letztjährigen Lieblingsworte aus der Gemeinde zu prämieren:
1. Kapeikenheini
2. Fratzengeballer
3. Pflaumensturz
4. Ja, nee, is schon klar…
5. Knallcharge