Vattenfall aber schrieb mir, sie werden zum 1.7.2007 eine Preisanpassung vornehmen. Ich bin sehr erleichtert.


Kawumm, Farbgesplitter, gleißende Glitzertrauben. Die Scheibe bebt ein bisschen, und manches spiegelt herüber vom Fensterglas der Nachbarhäuser.

Freitag war es wieder so.

Eine Schiffstaufe am Hafen provozierte pyromanisches Gedonner. 300 000 starrten in den Himmel. Bestimmt wurde irgendein Rekord gebrochen.

Kaum verstummte es dort, begann das wöchentliche Feuerwerk auf dem Frühjahrs-Dom.

Ich erinnere mich noch an Zeiten… da war ein Feuerwerk für mich ein unglaubliches Ereignis – große Augen und langgezogenes AHHH bis OHHH.

Jetzt zucke ich kaum noch, zu oft knallt und sprenkelt es sich durch die Nacht – kaum ein Fest oder Event, das sich nicht in den Himmel malen würde. Früher also, da war ja eh alles …

Redaktionsnotiz

April 20, 2007

Vom 23. März bis zum gestrigen Tage haben wir an dieser Stelle eine Reihe unsichtbarer Texte veröffentlicht. Diese Reihe schließen wir nun hiermit ab, ziehen aber eine Veröffentlichung in Buchform ernsthaft in Erwägung. Wir danken herzlichst für die Aufmerksamkeit, die unseren gestaltlosen Tagebuchschriften entgegengebracht wurde und hoffen auf Interesse an unserer nun wieder einsetzenden sichtbaren Journaltätigkeit.

Mit den besten Grüßen,
Ich, die Redaktion

Soetwas ist meistens kaum zu beschreiben; ich versuche es trotzdem. Eine Demo zieht an meinem Haus vorbei. Es wird getrommelt und der Sprecher ist dank Lautsprecheranlage gut zu hören. Er spricht in einer mir fremden Sprache. Dann ist er fertig. Da ruft das kleine Mädchen, das gegenüber auf dem Gehweg vorbeirollert: „So, und jetzt noch mal verständlicher, bitte!“

Fand ich lustig…

tja.

März 13, 2007

Kaum hebt der Frühling hier auf St.Pauli mutig sein Köpfchen – stellen die Wirte überall auf die Gehwege ihre Tische; schlürfen die Agentur- und Dienstleistungsarbeiter genüsslich den ganzen Tag ihren Schaumkaffee im Freien, lechzen dabei nach jedem Strahl Sonne; entblößen Menschen freigiebig Hautpartien, die seit September nicht mehr zu sehen waren – sticht mir doch in der Nacht die erste Mücke in die Stirn.

Tja. Es passieren schon Sachen, man hat schon Mitbewohner hier.

1:0

März 5, 2007

Ein altes Hausmittel besiegt die Pharmaindustrie. Nach ausgiebigen Geburtstagsfeiern plagten mich Zahnschmerzen. Auch ein Grund, warum ich nichts von den Krawallen im Schanzenviertel, rund um die Rote Flora, mitbekam, und auch kaum etwas vom Heimsieg des FC.St.Pauli (3:0).

Eine Mundspülung mit reichlich Salzwasser kann stärkste Zahnschmerzen bekämpfen, gerade da, wo die Chemiekeule kläglich versagt.

Herr Penny hat noch auf.

Februar 22, 2007

21:39

Es brennt noch Licht im Schulterblatt. Drinnen haben ein paar Kunden soviel Platz, dass sie Walzer tanzen könnten. Eine Mitarbeiterin zerreißt grinsend Karton. Der Kassenmann hat Zeit, sogar für einen Witz. Auf merkwürdige Weise breitet sich Gemütlichkeit zwischen den Regalen aus, wenn jetzt noch jemand das Licht dimmen könnte!?! Und vielleicht etwas Musik? Die warmen Seiten des Neoliberalismus lullen mich ein, die hohen, kalten Mauern der Ladenschlusszeiten stürzen dahin. Nun kann ich also das gleiche Geld nach der Tagesschau ausgeben. Revolution, Bravo! Die Menschheit schreitet unerbittlich auf dem Weg des Fortschritts und Herr Penny schreitet mit. Besser gesagt, er lässt den Kassenmann und die Kartonreisserin schreiten.

Partygesprächsketten.

Februar 7, 2007

Indien – nur 540 Euro hin und zurück – Vielfalt – arm und reich – ein Vater kommt daher – wo ist eigentlich Heimat – schlechter Film über Uschi Obermaier und Konsorten – viel Licht, viel Schatten …

Achtundsechziger – Wohngemeinschaften, die an Putzplänen scheiterten – Kuppeleiparagraph abgeschafft – kleine Erfolge, viel Desillusionierung – Sechzigjährige, die Jeans tragen und abrocken – atmosphärische Aufheiterungen – Kunsthandwerk – Selbsterkenntnis – viele Umarmungen – Lebenskunst …

Buffet – auf Hack gehören einfach Kapern – Lachs und gut – Eihälften ohne – locker aus der Hand – essen, stehen, tanzen – formloser glücklich – Senf aus der Tube – Maischips – selbstgekauft, schmeckt aber lecker – irgendwie sind wir ja alle biodynamisch …

Bekanntschaften – woher kennst du eigentlich …? – Sohn – Exfrau und immer noch gute Freundin – Nachbar – Freund des Freundes vom Nachbarn – Balkonmitbenutzer – Kollege – waren auf Reisen – ach, Gott, schon so lange – nett – usw. hat mich gefreut – mich auch – bis bald mal wieder – war jut.

heute.

Februar 6, 2007

Heute hat ein guter Nachbar Geburtstag. Neulich scherzten wir noch, dass es möglich sein wird, auf dem Balkon zu feiern. Als ich die Einkaufstüte mit dem Rotwein nach Hause trug, machte mir ein feiner Schneeriesel klar: Daraus, liebe Freunde, wird nichts. Ätsch.

Nun, dann kuscheln wir uns halt zwanzigfach in L.s Einraumwabe mit Küchenzeile und ziehen dem Eisregen eine putzige Nase.

die Nachricht des Tages.

Januar 24, 2007

Vorhin sah ich, auf dem Vorplatz vom Walmart-Supercenter und am Rande der Verkehrsinsel in der Stresemannstraße und im Rinnstein Ecke Wohlwillstraße-Otzenstraße, jeweils eine vereiste Pfütze. Ohne die Entdeckung hätte mir in diesem Winter etwas gefehlt – einmal im Jahr muss wirklich Flüssiges erstarren, sodass der heiße Tee verdienter schmeckt, wärmt. Im frostigen Übermut könnte man in die Strukur aus glatter, dunkler Fläche und weißen Rissen manches hineinorakeln, was ich, womöglich, lautlos tue, in den kürzlich erst abrasierten Bart – und mich hiermit aus der heutigen Berichterstattung ausblende. Bis bald!